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Meine kleine Welt in Spurweite N (1:160)

 

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TAURUS   1016 023-2   1116 021-5   1116 036-3   1116 100-0   1116 200-5   1116 250-0   1116 264-1   ES 64 U2-026

 

Die MRCEdispolok ES 64 U2-026

Vom Vorbild zum Modell oder wie lackiere ich mir mein Wunschmodell

Vorwort

Anmerkung am Anfang: Alle von mir hier beschriebenen Techniken und verwendeten Materialien, haben sich für mich als die beste Vorgehensweise herausgestellt. Die folgenden Anleitungen erheben keinesfalls den Anspruch auf die einzige praktikable Lösung, es gibt viele Wege die zum erhofften Ziel führen. Hier sollen nur Anregungen gegeben werden und es können vielleicht einige Fragen im Zusammenhang mit der Umlackierung von Modellen geklärt werden.

Eine große Anzahl an alternativen Vorgehensweisen und Materialien sind denkbar und auch machbar, hier sollte jeder im Laufe der Zeit seine eigenen Erfahrungen machen und sich seinen Weg zum Ziel, seinem Wunschmodell, suchen und er wir ihn auch finden. Es kann immer mal wieder zu Rückschlägen kommen, aber dass ist kein Grund gleich die Flinte ins Korn zu werfen.

Sollten Fragen offen bleiben, wenden sie sich an mich und ich werde dann versuchen, diese durch entsprechende Ergänzungen auf dieser Seite zu beantworten.

Vorüberlegungen: Die wichtigste Frage, die sich am Anfang eines neuen Projektes stellt, ist immer: Kann ich mit meinen mir zur Verfügung stehenden Mittel das Ziel, dass umlackierte Modell, überhaupt fertig stellen? Sollte diese Frage nicht positiv beantwortet werden, würde ich empfehlen, um sich Frust und unnötige finanzielle Ausgaben zu ersparen, die Idee erst einmal fallen zu lassen. Wobei ich mit "zur Verfügung stehenden Mitteln" auch meine, dass man eventuell auch Hilfe und Unterstützung von anderer Seite in Anspruch nehmen kann, z.B. für die Anfertigung der Decals.

Vorbereitung: Am Anfang steht immer die Beschaffung von Unterlagen/Fotos, hier ist das Internet eine sehr ergiebige Quelle, aber auch Bücher und Fachzeitschriften sollte man nicht außer Acht lassen. Ich sammle vor Arbeitsbeginn immer eine Fülle von Bildern, bis ich das Vorbild von allen Seiten habe - auch wenn diese Aufgabe mal etwas länger dauert, es kommt schon mal vor, dass es Monate dauert, bis alle benötigten Bilder zusammen sind - nur nicht die Geduld verlieren, denn ohne diese Vorbereitung gibt es kein vernünftiges Ergebnis.

Jetzt genug der anfänglichen Überlegungen, dann will ich mal den Ablauf beschreiben, vom Basis-Modell zur fertigen Umlackierung.

Herstellung der Decals: Die Anfertigung eines Layouts für die Decals möchte ich hier nur kurz anreißen, weil diese Arbeit recht umfangreich ist und einiges an Zeit erfordert.

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Ich erstelle mir zu Umbaubeginn immer erst das Layout für die Decals am Computer, denn hier kann man schon sehen, ob es überhaupt möglich ist, das gewünschte Modell auf die Schienen zu stellen. Als Programme benutze ich für die Bearbeitung von Fotos - Paint Shop Pro 7 - auch das kostenlos erhältliche Open Source Programm - Gimp - hat sich bei der Bildbearbeitung als sehr hilfreich erwiesen und für die Nachbildung von allen übrigen Teilen (Schriften, Symbolen, Zeichen, usw.) - CorelDRAW 11 -. Sollte hier der eine oder andere schon nicht weiterkommen, so braucht er hier nicht gleich schon auf zu geben, Hilfe bei der Anfertigung und beim Druck gibt es z.B. bei der Firma Andreas Nothaft - individuelle Decals.

Wer die Dateien selber anfertigt, kann den Ausdruck bei der Firma DecalPrint  machen lassen, hier ist nur zu beachten, dass man sich an die Anforderungen an die Dateien hält, eine Liste mit entsprechenden Spezifikationen findet man im Downloadbereich unter dem Begriff "Preisliste Decals/Grafik".

Es gibt auch die Möglichkeit, dass man die Decals oder zumindest einen Teil selber auf entsprechende Decal-Folien (gibt es jeweils in weiß oder transparent) druckt, entweder mit Tintenstrahl- oder Laser-Drucker wobei man darauf achten sollte, dass die richtige Folie den jeweiligen Druckertyp verwendet wird. Leider haben die beiden vorher genannten Druckertypen einen Nachteil, beide können die Farbe weiß nicht drucken und da die wenigsten von uns einen Drucker mit Microdry-Technik, dieser Drucker verwendet Farbbänder unter anderem auch weiße, zur Verfügung haben dürften, bleibt für den "Weiß-Druck" nur die Lösung, hier muss jemand anders den Druck übernehmen.

Wer selber drucken möchte, hier einige Folien und Lieferanten:

  • ACT (Aircolortechnik) Laser Decal Film weiß - Art.-Nr.: 17.43303
  • ACT (Aircolortechnik) Laser Decal Film klar - Art.-Nr.: 17.43313
  • ACT (Aircolortechnik) Ink-jet Decal Film weiß - Art.-Nr.: 17.43403
  • ACT (Aircolortechnik) Ink-jet Decal Film klar - Art.-Nr.: 17.43413

Noch ein Hinweis: Beim Decal-Druck mit dem Tintenstrahl-Drucker ist zu beachten, dass die Farben im Allgemeinen wasserlöslich sind - hier darauf achten, dass die Decals vor dem Wasserkontakt mit einer farblosen Lackschicht geschützt werden.

Für meine Decals wende ich alle drei Druckverfahren an und versuche möglichst dadurch die Nachteile der einzelnen Verfahren zu umgehen und deren jeweilige Vorteile zu nutzen.

Alternative zum Decal-Druck: Zu den oben beschriebenen Druckverfahren kann man die Decals auch im Siebdruck-Verfahren in einer entsprechend ausgerüsteten Druckerei drucken lassen.

Das Basis- oder Ausgangs-Modell: Für dieses Projekt habe ich einen Siemens Taurus aus dem Hause Conrad/Hobbytrain (Art. 240874) als Ausgangsmodell verwendet.

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Die Lackierung

Vorbereitungen für die Lackierung: Ausbau des Fahrwerks und entfernen aller Anbauteile (Isolatoren, Pantographen, Lichtleiter, Fenster usw.). An dieser Stelle hier noch ein Hinweis, leider sind bei manchen Modellen, die Dachleitungs-Isolatoren verklebt und können nur durch ausbohren entfernt werden, da es laut Ersatzteilliste diese Teile nicht als Einzelteile gibt, greife ich dann auf Teile aus der Ersatzteilkiste (z.B. auf Teile vom Minitrix Taurus zurück). Für die Isolatoren kann man auch Ersatz bei der Firma EICHHORN Modellbau, im Lieferprogramm findet man Dachisolatoren (Art.-Nr.: 13140) aus Metall. Bevor jetzt eine Welle der Kritik über mich hereinbricht - mir ist bekannt, dass diese Isolatoren in ihrer Ausführung nicht denen entsprechen, die beim Taurus Verwendung finden. Da ich hier keine Finescale-Modelle baue, empfinde ich diesen Manko aber als vertretbar.

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Da die mitgelieferten/montierten Pantographen dieser Lokomotive in ihrer Ausführung und Stabilität nicht so ganz meine Vorstellungen erfüllen, greife ich bei diesen Loks immer zum extra angebotenen Umbausatz der Firma SOMMERFELD (Nr. 792/Conrad Art.-Nr.: 240870-62). Bevor weitere Arbeiten an dem Gehäuse folgen, bohre ich jetzt schon die Löcher für die neuen Pantographen, dabei ist die mitgelieferte Bohrschablone eine große Hilfe. Eine detaillierte Beschreibung für diesen Umbau gibt es bei "www.1zu160.net - Das Spur N Portal" unter der URL: http://www.1zu160.net/test/sommerfeldt-taurus.php. Die nicht mehr benötigten Löcher werden zu einem späteren Zeitpunkt noch verspachtelt.

 

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Zum Vergleich: Bild oben mit original Hobbytrain Isolatoren und unten mit Isolatoren aus dem EICHHORN-Programm.

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Entfernen der Farbe: Die Erfahrung hat gezeigt, dass die herstellerseitig aufgebrachte Farbe in den meisten Fällen entfernt werden kann und auch entfernt werden sollte, natürlich gibt es auch hier Ausnahmen. Der Hauptgrund, warum ich die Farbe entferne ist, dass sich die Konturen der "alten Lackierung" durch den neuen Lack abzeichnen. Wer diesen Schritt scheut, kann an dieser Stelle eine Grundierung auftragen - was diesen Effekt etwas unterdrückt.

Bei dem vorliegenden Modell wäre später speziell der Übergang vom gelben zum silbernen Bereich und der RAG-Schriftzug durch die neue Lackierung sichtbar, der Grund dafür , dass sowohl die blaue als auch die gelbe Farbe auf ein vorher silbern lackiertes Gehäuse aufgetragen wurden und dadurch eine minimale Erhöhung bilden.

 

Warnender Hinweis: Kunststoffe verlieren durch Lösungsmittel unter Umständen ihre Weichmacher, die Eigenschaften des Kunststoffs verändern sich, er wird spröde und brüchig - das kann zum Verlust des Gehäuses führen. Die in den nächsten Zeilen beschriebene Vorgehensweise, hat bei mir bisher nur einmal zum Verlust eines Gehäuses geführt. Eine Garantie kann ich natürlich nicht übernehmen, die Anwendung meiner Vorgehensweise geschieht auf eigenes Risiko.

Auch durch natürliche Alterung verlieren Kunststoffe ihre Weichmacher, darum gilt je älter ein Gehäuse ist, umso höher das Risiko, es bei der Farbentfernung zu verlieren.

 

Beim Entfernen der Farbe gehe ich wie folgt vor und er werden folgende Materialien und Werkzeuge benötigt:

  • Als Werkzeug benutze ich einen Borsten-Pinsel, dessen Borsten auf etwa 5mm gekürzt wurden.
  • Als Lösungsmittel kommt Spezialverdünner für "Life Colours" Modellbaufarben von Elita (Best.-Nr.: 51001) zum Einsatz. z.B. zu beziehen unter http://www.elita.de.
  • LUX-Modellbau DLE-90 Druck- und Farbentferner
  • Latex Einmal-Handschuhe

Voraussetzung für diese Arbeit ist ein gut geschützter Arbeitsplatz, denn Farbspritzer sind hier kaum Vermeidbar, auch sollte man an eine gute Belüftung denken, denn die entstehenden Lösungsmitteldämpfe sind nicht zu versachten und bestimmt auch nicht ganz ungefährlich für die Gesundheit. Die Arbeiten sollten auch möglicht nur mit endsprechenden Schutzhandschuhen durchgeführt werden.

Mit dem Borstenpinsel und reichlich Verdünner, wird die Farbe vom Gehäuse gewaschen, hier stellt man fest, dass die Farben unterschiedlich lange brauchen, bis sich etwas löst. Mit leichtem Druck wäscht man mit dem Pinsel Schicht für Schicht der Original-Farbe herunter, wobei Silber die Farbe ist, die am längsten braucht, bis sich auch hier zeigt, dass die Farbe sich vom Modell löst. Zwischenzeitlich wird die bereit gelöste Farbe mit einem Papier-Küchentuch oder ähnlichem von Zeit zu Zeit vom Gehäuse abgewischt. Etwas Vorsicht sollte ist bei dieser Arbeit im Bereich von leicht brechbaren Gehäuseteile wie Treppen, Trittstufen oder ähnlichem geboten.

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Wenn sich dann endlich weitestgehend alle Farbe vom Gehäuse gelöst hat, schäume ich das ganze Gehäuse mit einem Geschirrspülmittel ein und wasche alles mit viel lauwarmen Wasser ab. Sollten sich noch Farbreste am Gehäuse befinden, besonders im Bereich der Fensteröffnungen, so werden diese noch mit DLE-90 und einigen Wattestäbchen entfernt. Besonders sorgfältiges Arbeiten ist im Bereich der Fenster nötig, da die Fenster im allgemeinen recht passgenau und stramm sitzen, sollte hier jede überflüssige Farbe entfernt werden, denn ist die Farbe in diesem Bereich später zu dick, drückt man sie beim Einsetzen der Fenster heraus. Hier ein Tipp: Die Fensteröffnungen mit 1000er Schleifpapier etwas nacharbeiten.

Jetzt ist auch der richtige Zeitpunkt für eventuelle Spachtelarbeiten, für die nicht mehr benötigten Bohrungen im Dachbereich habe ich Revell Modellbau-Spachtelmasse PLASTO Art.-Nr.: 39607 verwendet. Die Spachtelmasse wird von der Innenseite aus in die Löcher gedrückt, diese Vorgehensweise ist wesentlich einfacher, da dadurch die Dachoberfläche nicht durch Spachtelmasse in Mitleidenschaft gezogen wird.

Alternative zur Lackentfernung: Die Entfernung der herstellerseitig aufgebrachten Lackierung kann auch im Perlshoting-Verfahren erfolgen, dabei wird die Lackierung mit geringem Luftdruck und winzigen Kunststoffkugeln vom Gehäuse abgestrahlt. Dieses Verfahren wird sich allerdings für die wenigsten Modellbahner eignen, da die Anschaffungskosten einer solchen Anlage relativ hoch sind, man könnte sich diese Anlage natürlich auch selber bauen - ob sich der Aufwand lohnt möchte ich hier jetzt nicht beurteilen.

Der Lackauftrag: Hier stellt sich immer wieder die Frage nach einer Grundierung. Eine Grundierung mache ich eigentlich nur wenn die Farbe des "entlackten" Gehäuses stark von der späteren Farbe abweicht. also wenn ein sehr dunkles Gehäuse einen z.B. weiße Lackierung erhalten soll (bei Metallgehäusen sollte grundsätzlich eine Haftgrundierung verwendet werden). Als Grundierung kann z.B. Revell Airbrush EMAIL BASIC Grundierfarbe Art.-Nr.: 39001 verwendet werden. - Im vorliegenden Fall kann allerdings auf eine Grundierung verzichtet werden.

Der eigentliche Lackauftrag erfolgt in mehreren dünnen Schichten, wobei man zwischen den einzelnen Farbauftragen immer genügend Trockenzeit einplanen sollte. Ich lasse jeder Farbschicht mindestens 24 Stunden Zeit für die Trocknung.

Ich setze für die Lackierung folgende Werkzeuge und Materialien ein:

  • Airbrush-Pistole aus den Hause Revell "master class FLEXIBLE" (Düsenausführung: fine 0,5mm) - abraten würde ich allerdings von preiswerten Pistolen, ich habe einige getestet und war mit dem Spritzergebnis nicht besonders zufrieden.
  • Als Kompressor arbeitet bei mir ein "Airbrush Kompressor Gamma" ebenfalls aus dem Hause Revell, dieser Kompressor hat einen kleinen Lufttank und reicht für die Lackierung von N-Modellen aus. Sollten aber auch Arbeiten an größeren Flächen geplant sein, dann sollte man sich von vorn herein für einen größeren Kompressor entscheiden.
  • Soweit möglich verwende ich nur Farben aus dem "Life Colours"-Programm zu beziehen unter anderem bei "elita MODELLE" (http://www.elita.de/). Diese Farben müssen für die Spritzlackierung im Verhältnis 1:1 mit dem passenden Spezialverdünner (Art.-Nr.: 51001) verdünnt werden. Der Vorteil der Farben, sie trocknen seidenmatt aus und sind nach ca. 10 bis 20 Minuten staubtrocken.
  • Weiterhin werden noch einige Kunststoff-Pipetten für das Füllen der Airbrush-Pistole und zum Mischen der Farbe benötigt. Tipp: Da die Pipetten eine eingeschränkte Haltbarkeit haben und diese von den einschlägigen Farbherstellern als Zubehör zu relativ hohen Preisen angeboten werden, empfehle ich den Kauf größerer Mengen im Labor-Zubehörhandel oder bei "ebay", dann belaufen sich die Kosten auf wenige Cent pro Stück.
  • Im Laufe der Jahre wurden Airbrush-Pistole und Kompressor gegen hochwertigere Werkzeuge ausgetauscht, so lackiere ich jetzt mir einer "EVOLUTION SILVERLINE Two in One" aus dem Hause Harder und Steinbeck (www.harder-airbrush.de). Für die Druckluft sorgt ein ölfreier Kolbenkompressor "standard class" aus dem Hause Revell.

Damit ich die Lackarbeiten am Gehäuse ausführen kann, wird das Gehäuse auf einen zugeschnittenen Styroporblock geklemmt eine andere Möglichkeit wäre auch die Verwendung eines Holzrestes, der mit etwas doppelseitigem Klebeband (Teppichklebeband) an der Gehäuse Innensite befestigt wird, so kann das Gehäuse zum Beispiel mit einen Schraubstock oder der "Dritten Hand" für die Trocknung gehalten werden. Zum Lackieren halte ich das Gehäuse an dieser "Halterung" in der mit einem Latexhandschuh geschützten Hand, erst zur Trocknung wird es eingespannt. Der Vorteil liegt darin, dass ich das Modell in alle Positionen drehen kann und somit alle Stellen mit dem Lack erreiche.

Für den ersten Farbauftrag mit der Airbrush wurde der Lack (Life Colours Tiefschwarz RAL 9005 Art.-Nr.: 59005) im Verhältnis 1:1 mit dem Spezialverdünner gemischt und in einem Abstand von 10-15cm dünn aufgetragen. Der Farbauftrag erfolgt kreuzweise, d.h. erst waagerecht dann senkrecht, das "Einschalten" der Spritzpistole sollte immer außerhalb der zu lackierenden Fläche erfolgen, da im ersten Moment der Farbnebel noch nicht seine volle Qualität erreicht hat und es hier unter Umständen gröbere Farbspritzer geben kann. Es kann sein, dass jetzt die Farbe nicht an allen Stellen bereits gleichmäßig aufgetragen wurde, also dass immer noch etwas von der Gehäusefarbe durchscheint, dass macht aber nichts, diese Manko wird mit den nächsten Farbschichten behoben. Anschließend gebe ich dieser Lackschicht genügend Zeit zur Austrocknung (mindestens 24 Stunden). Eine anschließende Reinigung der Spritz-Pistole ist jetzt notwendig.

Noch ein Hinweis: Sollte während der Lackierung ein Fremdkörper, z.B. Staub, oder ein etwas zu dicker Farbtropfen sich in der frischen Lackierung abzeichnen, dann ist es am besten alles trocknen zu lassen, keinesfalls versuchen, dieses Manko noch in der frischen Lackierung zu beseitigen, dabei richtet man mehr Schaden an als nötig. Staub kann man meist nach der Trocknung einfach mit einem Stück Papier von der Küchenrolle durch leichtes Reiben beseitigen, sollte der Fehler etwas hartnäckiger sein, hilft hier eine vorsichtige Bearbeitung mit einem Glasfaserpinsel/Glasradierer. Nach der nächsten Lackschicht, sind solche bearbeiteten Fehler dann im Allgemeinen nicht mehr sichtbar.

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Je nach Deckkraft der Farbe wird dieser Vorgang insgesamt 2-3 mal durchgeführt. Sollte es während der Lackierung oder bei der Trocknung zu Staubeinschlüssen gekommen sein, so kann man diese vor der nächsten Lackschicht mit einen Tuch (ich verwende hier ein Küchenpapier - farbige Motive auf dem Papier nicht verwenden, denn diese färben) vorsichtig herausreiben und somit entfernen.

Wenn das Gehäuse in diesem Fall schwarz, einheitlich gefärbt ist und Qualität der Arbeit den kritischen Augen des Betrachters genügt, dann kommt die zweite Farbe, bei diesem Modell soll das Dach Umbragrau RAL 7022 (Life Colours Art.-Nr.: 57022) lackiert werden.

Hier ist zunächst das saubere Abkleben von großer Wichtigkeit, zum Einsatz kommen bei mir folgende Klebebänder:

  • TAMIYA MASKING TAPE in den Breiten 6mm, 10mm und 18mm (Zum abkleben von kleinen Radien oder sonstigen schwer abklebbaren Stellen, klebe ich ein entsprechend großes Stück Tape auf eine Plexiglasplatte und schneide die benötigten Teile mit einem scharfen Bastelmesser zu. Der Zuschnitt klebt auch immer noch sehr gut nachdem er von der Platte abgezogen wurde.)
  • Scotch 3M Plastic Tape 471 1/8in (3,1mm) - kommt allerdings hier nicht zum Einsatz, dieses Tape verwende ich zum Abkleben bei leichten Bögen, weil es sich bis zu einem gewissen Radius hervorragend dehnen lässt und sich dabei sauber anlegt.

Bevor mit dem Abkleben begonnen wird ist es besonders wichtig, dass die vorher aufgetragene Farbe sehr gut durchgetrocknet ist, sonst kann es zu unschönen Beschädigungen der Lackschicht kommen, die sich auch meistens nicht ausbessern lassen.

Besonders ist darauf zu achten, dass die Kanten genau und fest anliegen, damit die Farbe nicht unter da Klebeband laufen kann. Im Bereich von Vertiefungen, z.B. neben Griffstangen, muss darauf geachtet werden, dass das Tape komplett anliegt, an diesen Stellen verwende ich zu passgenauen Andrücken einen Zahnstocher oder eine Pinzette, mit der das Klebeband vorsichtig in die Vertiefung eingedrückt wird, wenn man hier genau arbeitet, erspart man sich spätere Nachbearbeitung. Die Klebebänder dehnen sich soweit, dass es hier keine Probleme geben dürfte. Zwischen Abkleben und Lackauftrag sollte nicht zuviel Zeit verstreichen, denn wenn der zeitliche Abstand zu groß ist, kann es dazu kommen, dass an einigen Stellen das Klebeband löst, denn die Klebekraft dieser Bänder ist nicht sehr hoch, damit der darunterliegende Lack nicht beschädigt wird. Also wenn möglich alles abkleben - alle Kanten noch einmal kontrollieren und andrücken - lackieren.

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Nach dem Abkleben erfolgt der Auftrag der zweiten Farbe Umbragrau RAL 7022 (Life Colours Art.-Nr.: 57022) auch wieder 1:1 mit dem Verdünner verdünnt und dadurch spritzfähig gemacht. Diesmal sollte der Farbauftrag möglicht in einer Sitzung deckend aufgespritzt werden. Dazu lackiert man wieder sehr dünne Schichten, nur mit dem Unterschied, dass zwischen den einzelnen Schichten nur wenige Minuten liegen. Hier zeigt sich jetzt der Vorteil der verwendeten Life Colours, wenn die erste Lackschicht nach etwa 20 Minuten staubtrocken ist, kann ein erneuter Farbauftrag erfolgen. Man kann erkennen wie die Farbe trocknet, die Oberfläche wechselt von einer glänzend feuchten in eine seidenmatte Schicht. Sollten sich jetzt einige Staubteilchen abgelagert haben, so kann man sie problemlos und ohne große Beschädigungen vorsichtig mit einem fusselfreien Tuch entfernen.

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Ist die zweite Schicht lackiert, sollte ein einheitliche Farbfläche vorhanden sein, wenn nicht, muss der Vorgang noch einmal wiederholt werden.

Jetzt etwa 20 Minuten abwarten und die Klebebänder können vorsichtig entfernt werden, dabei aber die lackierte Fläche nicht berühren, die Farbe ist zwar staubtrocken aber immer noch empfindlich. Die Taps sollten jetzt schon entfernt werden, weil sie sich jetzt ohne Beschädigung der Lackfläche ablösen lassen. Ist der Lack erst einmal zu sehr durchgetrocknet, kann es zu Abrissen an den Kanten kommen. - Wenn diese Arbeiten überstanden sind, gönne ich dem Gehäuse erst einmal wieder eine 24 stündige Ruhe- und Trockenpause.

Die dritte Farbe ist Weißaluminium RAL 9006 (Life Colours Art.-Nr.: 59006) für die auf dem Dach befindlichen Lüftergitter. Die Vorgehensweise ist wie bereits beschrieben: Abkleben - Lackieren - Taps entfernen.

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Nachdem alle Farben aufgetragen sind, sollte man jetzt noch einmal alles auf eventuelle Farbfehler überprüfen und gegebenenfalls entstandene Fehler mit einem kleinen Pinsel und der entsprechenden Farbe ausbessern.

Eine alternative Vorgehensweise: Um noch bessere Ergebnisse zu erzielen bin ich in letzter Zeit dazu übergegangen, die Gehäuse nachdem alle Farben aufgebracht sind, mit einer Schicht farblosem Lack zu lackieren, das führt dazu, dass die Decals noch besser mit dem Untergrund "verschmelzen". Für diese Farbschicht verwende ich, wie auch für die Lackschicht nach Aufbringen der Decals, einen farblosen glänzenden Acryllack auf Wasserbasis ("Humbrol" ACRYLIC PAINT Nr. 35). Wem eine glänzende Schlusslackierung nicht zusagt, der sollte als allerletzte Farbschicht den matten Klarlack auf Wasserbasis aus dem selben Programm verwenden, dann allerdings mit der Nummer 49.

 

Das Aufbringen der Decals

Die Frage, die häufig gestellt wird: Ist eine Versieglung der Decals vor dem Aufbringen zwingend erforderlich? Diese Frage kann nicht pauschal mit "Ja" und "Nein" beantwortet werden.

  • Grundsätzlich müssen Decals, die mit einem Tintenstrahl-Drucker gedruckt wurden, nach einer angemessenen Trockenzeit vorher mit einem Schutzlack versehen werden. Da die Farbe im allgemeinen wasserlöslich ist, würden dies bei Kontakt mit Wasser gelöst werden.
  • Decals, die im Laserdruck- oder Thermotransferdruck-Verfahren gedruckt wurden sind weitestgehend wasserfest. Man sollte allerdings bedenken, dass sie empfindlich gegen Kratzer sind. Aus diesem Grunde bin ich allerdings dazu übergegangen, dass ich auch diese Decals vorher mit einer dünnen Lackschicht versehe
  • Als besonders geeigneter Acryl-Lack hat sich hier "Mr. METAL PRIMER" (Vertrieb: Air-Color-Technik, Hersteller: GSI Creos Corporation Tokio) als sehr brauchbar herausgestellt. Dieser Lack kann unverdünnt mit der Airbrush verarbeitet werden, passender Verdünner "Mr. THINNER" aus dem selben Hause.

Benötigte Werkzeuge und Materialien::

  • Schere
  • unterschiedliche Skalpelle/Bastelmesser verschiedene Klingenformen
  • verschiedene Pinzetten
  • Schale mit Wasser (lauwarm)
  • Wattestäbchen
  • eventuell Decal-Fixierung z.B. "Mr. MARK SETTER" (Vertrieb: Air-Color-Technik, Hersteller: GSI Creos Corporation Tokio) - Fläche mit MaerkSetter bestreichen, Decal aufschieben und trocknen lassen.
  • eventuell Decal-Weichmacher z.B. "Mr. MARK SOFTER" (Vertrieb: Air-Color-Technik, Hersteller: GSI Creos Corporation Tokio) - Für blasenfreies Anlegen MarkSofter auftragen.

Einweichzeit: Nachdem man das Motiv möglichst randnah mit Schere und Skalpell zugeschnitten hat, benötigt das Decal eine Einweichzeit von etwa 10 - 30 Sekunden, die Zeit ist etwas von der Wassertemperatur abhängig. Die zu beklebende Stelle, auf dem Modell, sollte sauber und staubfrei sein, man benetzt diese mit etwas Wasser.

Aufkleben: Nach dem Einweichen kann man das Motiv ein wenig über den Rand des Trägerpapiers hinausschieben und auf dem Modell genau positionieren. Jetzt wird das Trägerpapier vorsichtig unter der Folie herausgezogen und das jetzt leicht schwimmende Decal auf seinen korrekten Sitz überprüft, ein eventuell nötiges Ausrichten, ist jetzt noch möglich. Sollte alles stimmen, beginnt man mit dem vorsichtigen Entfernen des Wassers. Für diesen Arbeitsschritt verwende ich die Wattestäbchen, erst wird vorsichtig damit das Wasser abgetupft und dann rolle ich den Wattebausch vorsichtig von der Mitte des Bildes zu den Rändern hin über das Motiv, dabei wird überflüssiges Wasser unter dem Bild herausgedrückt. Sollte das Decal jetzt nicht genügend Klebekraft haben so würde an dieser Stelle die Decal-Fixierung zum Einsatz kommen - habe ich aber bisher nur sehr selten gebraucht, eigentlich nur dann, wenn die Decals schon älter waren.

Trockenzeit: Den Decals sollte man jetzt einige Stunden Zeit lassen für die Trocknung. Sollten sich silbrig-weiße Flecken unter dem Decal zeigen, so ist dass ein sicheres Zeichen für Lufteinschlüsse, an diesen Stellen liegt das Decal nicht vollständig auf dem Untergrund auf. Im allgemeinen ist dieses Problem mit etwas Decal-Weichmacher leicht zu beheben - das Decal wird mit dem Weichmacher bestrichen und mit einem in Weichmacher getränkten Wattestäbchen etwas angedrückt, dann lässt man es wiederum austrocknen, sollten immer noch Lufteinschlüsse vorhanden sein, so wiederholt man diesen Arbeitsschritt.

Tipp: Sollten sich die Lufteinschlüsse nicht nach der oben beschriebenen Methode beseitigen lassen - kommt gerade bei größeren Decals manchmal vor, so kann man vorsichtig mit einer scharfen Rasierklinge die Decal-Oberfläche leicht anritzen und dann den Schnitt mit etwas Decal-Fixierung benetzen, die sich dann unter dem Decal verteilt.

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Die Endlackierung

Grundsätzlich lackiere ich alle meine Modelle nach Abschluss der oben beschriebenen Arbeiten mit einer farblosen Lackschicht, zum einen wird die Oberfläche dadurch unempfindlicher, zum andern verschmelzen die Decals dann optisch noch besser mit der übrigen Lackierung.

Es steht allerdings immer wieder die Frage im Raum, ein glänzende, eine seidenmatte oder eine matte farblose Endlackierung. Hier gehen auch die Meinungen sehr weit auseinander, eine Vorbildlokomotive direkt aus dem Werk hat eine glänzende Lackoberfläche, mit zunehmender Betriebszeit wird der Lack aber immer stumpfer. Man kann an dieser Stelle eigentlich keine pauschale Empfehlung geben, das ganze ist auch sehr stark von jedem Einzelnen abhängig und auch von dem jeweiligen Modell. Mich persönlich stört eine Hochglanzlackierung auf einem Modell, aus diesem Grunde gehe ich folgendermaßen vor: Ich sprühe zwei Schichten "Life Colours Klarlack glänzend (Art.-Nr.: 50070)", dieser Lack hat nach der Trocknung einen seidenmatten Glanz. Sollte mir die Oberfläche immer noch zu glänzend erscheinen, sprühe ich noch einmal eine Schicht "Life Colours Klarlack matt (Art.-Nr.: 50071)".

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Die Abschlussarbeiten

Nach einer angemessenen Trockenzeit, werden alle am Anfang abgebauten Teile wieder an das Gehäuse angebaut. Die Dachisolatoren und sonstige Dachausrüstungen erhalten noch mit Pinsel und passender Farbe eine farbliche Überarbeitung, diese Arbeiten mache ich erst, nachdem diese kleinen Teile am richtigen Platz sitzen. Die Pantographen wurden von mir schon vorher, dem Vorbild entsprechen, mit der Airbrush umlackiert.

 

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Jetzt sollte einem Probelauf nichts mehr im Wege stehen und ein neues Modell findet seinen Platz in der Sammlung.

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Tipps

An dieser Stelle möchte ich noch einige Tipps geben, die sich aus der Praxis ergeben haben, auch wenn sie nicht unmittelbar bei dem oben beschriebenen Modell zum Einsatz gekommen sind.

Griffstangen lackieren: Die Griffstangen rings herum sauber und sorgfältig abkleben. Die eigentliche Lackierung erfolgt dann mit der Airbrush, nur hierbei sollte man darauf achten, dass die Farbe so dickflüssig wie möglich ist, damit Sie nicht unter die Abklebung laufen kann und wirklich nur die Griffstange einfärbt.

Lampenringe lackieren: Für die Lackierung der Lampenringe verwende ich einen Zahnstocher, der etwa 3 mm tief in unverdünnte Farbe getaucht wird, dabei darauf achten, dass nicht zuviel Farbe an der Spitze haftet, eventuell etwas abstreifen. Anschließend drehe ich die Spitze vorsichtig in das Lampenloch bis genügend Farbe am Lampenring abgestreift wurde, dann den Zahnstocher vorsichtig wieder herausziehen.

 

Schlusswort

Der wichtigste Hinweis an dieser Stelle, lassen Sie sich Zeit für die Arbeit und bezwingen Sie Ihre Ungeduld, ein zu schnelles Vorgehen führt meistens zu einem schlechten Ergebnis und zu unbeabsichtigten Fehlern, die später sehr aufwändig korrigiert werden müssen. Setzen Sie sich nicht selber unter Druck, es gibt Tage, da lasse ich auch die Finger von solchen Arbeiten.

Ich hoffe, ich konnte mit meiner Beschreibung einige Fragen zum Thema Umlackierung von Modellen klären und auch einigen Interessenten den Weg aufzeigen, wie man sich sein Wunschmodell selber umarbeiten kann.

Sollten noch Fragen ungeklärt geblieben sein, so schicken Sie mir einfach eine Mail!

 

Was sagen Modellbahner zu diesem Modell - siehe:

Verwendete Farben von LifeColours: - Tiefschwarz RAL 9005 (Best.-Nr.: 59005) - Umbragrau RAL 7022 (Best.-Nr.: 57022) - Weißaluminium RAL 9006 (Best.-Nr.: 59006) - Klarlack (Best.-Nr.: 50070)
 

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Hinweis: Die hier gezeigten Fahrzeug-Umgestaltungen sind nur für den eigenen Hobby-Bedarf hergestellt worden und sind nicht zum Verkauf gedacht, es werden auch nur Einzelstücke angefertigt. Ich will nur zeigen, was auch im Maßstab 1:160 möglich ist. Sollte ich mit den Abbildungen auf dieser und den folgenden Seiten eine Urheberrechtsverletzung begehen, so bitte ich um eine kurze Mitteilung und die Bilder werden sofort entfernt.

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